Veranstaltung "Das Stigma bei psychischen Erkankungen"

Am 14. Oktober 2026 fand die zweistündige Abendveranstaltung “Das Stigma bei psychischen Erkrankungen” mit Prof. Dr. med. Nicolas Rüsch und Dr. phil. Klaus Gauer in der Hebelschule in Freiburg statt. Etwa 60 Personen verfolgten die Vorträge von Rüsch und Gauger mit anschließendem ausführlichen Austausch mit dem Publikum. Veranstalter war die Selbsthilfegruppe Psychiatrieerfahrener Emmendingen in Zusammenarbeit mit dem Recoverycollege Südbaden und der Stadt Freiburg.

Nicolas Rüsch ist Professor für Public Mental Health und Oberarzt an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie II der Universität Ulm am Bezirkskrankenhaus Günzburg, Buchautor und ein bundesweit anerkannter Akteur zum Thema "Stigma bei Menschen mit psychisch erkankten Menschen".
Klaus Gauger ist Genesungsbegleiter im Zentrum für Psychiatrie Emmendingen, Buchautor und Peer. Sein Buch “Meine Schizophrenie” bekam bundesweit viel Anerkennung.

Die Wirkungen der Stigmas

Zu Beginn erklärte Rüsch die verschiedenen Formen von Stigma: Öffentliches Stigma, Selbststigma und strukturelle Diskriminierung. Nach einer Studie aus dem Jahr 2022 hat die Stigmatisierung gegenüber Menschen mit der Diagnose Schizophrenie deutlich zugenommen und bei depressiven Menschen nur geringfügig abgenommen. Das überrascht, da das Thema psychische Erkrankungen inzwischen mehr Raum in der Öffentlichkeit hat als früher. Rüsch gab zu diesem Befund verschiedene Gründe an. Betroffene berichten, dass Stigma und Diskriminierung für sie häufig leidvoller ist, als die Erkankung selbst und zu einer Art zweiten Erkrankung führen kann.

Selbststigma und IWS

Menschen mit einer psychischen Erkrankung leiden häufig unter sogenannter Selbststigmatisierung, das heißt sie sind u.a. schambesetzt und haben eine ausgeprägte Selbstwertproblematik. Als hilfreich für psychisch belastete Menschen nannte Rüsch den Kurs für Betroffene “In Würde zu sich stehen (IWS)", der sich in drei zweistündigen Modulen ausführlich mit dem Problem der Offenlegung der Diagnose auseinandersetzt. Viele weitere eindrucksvolle Fakten vermittelte Rüsch in seinem Vortrag und sein großes Wissen beeindruckte das Publikum. Dieses trug er verständlich und anregend vor.

Bericht aus der Praxis

Danach berichtete Gauger von dem Verlauf seiner Erkrankung, die ihn aufgrund seiner Psychosen bis in die USA und nach Japan führte. Erst in Spanien fand er in der dortigen Psychiatrie die Hilfe, die ihn in die Realität zurückbrachte. Er arbeitete als Journalist und absolvierte trotz seiner Erkrankung das zweite Staatsexamen für Gewerbe- und Gymnasiallehrer. Er erzählte von seinen Erfahrungen mit Stigma, die ihn immer wieder daran hinderten, sich beruflich weiterzuentwickeln.

Er trug seine Geschichte sprachlich beeindruckend und trotz der Schwere des Themas unterhaltsam vor. Gauger hat immer wieder dafür gekämpft, beruflich Fuß zu fassen und hat nie aufgegeben. Dann entschloss er sich vor einigen Jahren, als zertifizierter Genesungsbegleiter zu arbeiten.

Ein gelungener Abend

Neben den Vorträgen gab es viel Raum für das Gespräch mit dem Publikum, den diese lebhaft nutzten. Die Organisatoren sind sich einig, dass der Abend mit Nicolas Rüsch und Klaus Gauger gelungen war.