Bericht von der Online-Präsentation der InkluVoice-Studie
Am 14. Juli 2026 stellten Fabian Aly und Prof. Dr. Fabian Frank im Recoverycollege Südbaden das Projekt „InkluVoice – von der Blase zur Oase“ online vor. Ziel der Präsentation war es, die Bedeutung von Partizipation, Teilhabe und Inklusion für Menschen mit psychischen Erkrankungen anhand eines partizipativen Forschungsprojekts aufzuzeigen. Grundlage der Untersuchung war die Methode Photovoice, bei der Teilnehmende ihre Erfahrungen fotografisch dokumentieren und gemeinsam auswerten.
Partizipation als Grundlage von Teilhabe
Zu Beginn wurde erläutert, dass Partizipation weit über das reine Informieren hinausgeht. Sie reicht von der Einholung von Meinungen über Mitbestimmung bis hin zu echter Entscheidungsmacht und Selbstorganisation. Nur durch eine konsequente Beteiligung der Betroffenen können Unterstützungsangebote an ihren tatsächlichen Bedürfnissen ausgerichtet und gesellschaftliche Ausgrenzung überwunden werden.
Das Forschungsprojekt InkluVoice
Im Projekt arbeiteten Erfahrungsexpertinnen und -experten, Angehörige, Ehrenamtliche sowie wissenschaftliche Mitarbeitende gemeinsam. Die Teilnehmenden fotografierten Situationen, die sie als „Blasen“ ihres Lebens wahrnahmen – Orte oder Lebensbereiche, in denen sie sich wohlfühlen, ausgeschlossen fühlen oder Veränderungen wünschen. Anschließend wurden die Bilder gemeinsam diskutiert und ausgewertet.
Die "Blase" als Symbol
Die Präsentation beschreibt die „Blase“ als Sinnbild für gesellschaftliche Ausgrenzung. Fabian Aly schilderte, seine Vergangenheit und dass Menschen mit psychischen Erkrankungen häufig von einer Einrichtung in die nächste vermittelt werden, ohne echte gesellschaftliche Teilhabe zu erreichen. Dadurch entstehen Hilfesysteme, die zwar Unterstützung bieten, gleichzeitig aber auch soziale Ausgrenzung verstärken können.
Mobilität undTeilhabe
Ein Schwerpunkt der Ergebnisse ist die Bedeutung von Mobilität. Öffentliche Verkehrsmittel ermöglichen Begegnungen, soziale Kontakte und gesellschaftliche Teilhabe. Gleichzeitig zeigen die Aussagen der Teilnehmenden, dass psychische Krisen, fehlende finanzielle Unterstützung oder eingeschränkte Mobilität zu Isolation führen können. Das Deutschlandticket wird als wichtige Unterstützung genannt, die Teilhabe erleichtern kann.
Unterstützung und Barrieren
Weitere Fotografien verdeutlichen Hindernisse auf dem Weg zurück in die Gesellschaft. Treppen, Labyrinthe oder verschlossene Türen stehen symbolisch für den langen und oft mühsamen Genesungsprozess. Dabei wird deutlich, dass Medikamente zwar hilfreich sein können, allein jedoch keine ausreichende Unterstützung darstellen. Ebenso werden Vertrauen, individuelle Begleitung, verständliche Informationen und passgenaue Hilfen als wesentliche Voraussetzungen für Recovery hervorgehoben. Nicht die Türe nach draussen zu verlassen, wurde als Barriere, die häufig vorkommt bezeichnet.
Fazit
Die Präsentation macht deutlich, dass Inklusion nicht allein durch medizinische Behandlung erreicht werden kann. Entscheidend sind Mitbestimmung, gesellschaftliche Teilhabe, Mobilität, individuelle Unterstützung und die konsequente Einbeziehung von Menschen mit eigener Krisenerfahrung. Das Projekt InkluVoice zeigt, dass partizipative Forschung wertvolle Erkenntnisse liefert und dazu beitragen kann, Barrieren sichtbar zu machen und konkrete Verbesserungen für die Gemeindepsychiatrie anzustoßen. Die einzelnen Erkenntnise wurden trefflich als Bausteine benannt. Diese sollten abgestimmt aufeinander wirken.
Veranstaltungshinweis:
Am Dienstag, 22.09.2026 von 13:00-18:00 Uhr findet in Freiburg der Fachtag "Mittendrin und nicht dabei? Partizipation als Schlüssel zur Teilhabe in der Gemeindepsychiatrie" in der Evangelischen Hochschule Freiburg statt. In dessen Rahmen werden unter anderem die Ergebnisse der InkluVoice-Studie ausführlich vorgestellt.
Mehr Informationen zum Fachtag finden Sie hier...